22:07 Uhr. Kinder im Bett. Du sitzt auf der Couch. Eigentlich könntest du jetzt entspannen. Aber dein Kopf hört nicht auf. Morgen Arzttermin, Turnbeutel waschen, Elternabend vorbereiten, den Streit mit deinem Dreijährigen verarbeiten, das Gefühl loswerden, dass du heute dreimal zu laut geworden bist.
Und dann kommt dieser eine Gedanke: Alle anderen schaffen das. Warum ich nicht?
Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Und du bist nicht schwach. Möglicherweise steckst du mitten in einem Mama Burnout – und weißt es noch nicht einmal.
Ich bin Monika Wörle, Heilpraktikerin für Psychotherapie, und ich begleite seit über 40 Jahren Familien. In meiner Arbeit sehe ich immer häufiger Mütter, die nicht mehr können. Nicht weil sie zu wenig tun – sondern weil sie zu viel tragen. In diesem Artikel zeige ich dir, was Mama Burnout wirklich ist, woran du es erkennst und was du konkret tun kannst, um wieder zu dir selbst zu finden.
Was ist Mama Burnout?
Mama Burnout ist ein Zustand tiefer emotionaler, körperlicher und mentaler Erschöpfung, der durch die anhaltende Überlastung im Familienalltag entsteht. Es ist mehr als ein bisschen müde sein". Es ist das Gefühl, leer zu sein – innerlich ausgebrannt, obwohl der Alltag weitergeht und die Kinder dich brauchen.
Der Begriff Burnout" kommt ursprünglich aus der Arbeitswelt. Aber Forschungen der belgischen Psychologin Isabelle Roskam zeigen: Elterliches Burnout ist ein eigenständiges Phänomen – und es betrifft Mütter überproportional häufig.
Was Mama Burnout von normalem Elternstress unterscheidet, sind drei Kernmerkmale:
Überwältigende Erschöpfung
Du bist nicht einfach müde. Du bist so erschöpft, dass selbst einfache Aufgaben – das Frühstück machen, eine Frage deines Kindes beantworten – sich anfühlen wie ein Berg. Und Schlaf allein hilft nicht mehr.
Emotionale Distanz
Du merkst, dass du innerlich auf Autopilot funktionierst. Du erledigst, was erledigt werden muss, aber du fühlst dabei wenig. Manchmal ertappst du dich bei dem Gedanken, dass du keine Freude mehr an deinen Kindern empfindest – und dann kommt sofort das Schuldgefühl.
Kontrollverlust
Du hattest ein Bild davon, welche Mutter du sein wolltest. Geduldig, liebevoll, gelassen. Stattdessen schreist du, reagierst genervt, ziehst dich zurück. Und die Kluft zwischen deinem Ideal und deiner Realität wird jeden Tag größer.
Mama Burnout Symptome – Woran du erkennst, dass es zu viel ist
Mama Burnout schleicht sich ein. Es beginnt nicht mit einem lauten Knall, sondern mit leisen Signalen, die wir oft monatelang ignorieren. In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass Mütter erst kommen, wenn sie nicht mehr können". Dabei gab es die Warnsignale schon lange vorher.
Körperliche Symptome
Dein Körper spricht, auch wenn du ihn nicht hörst. Typische körperliche Zeichen für ein Mutter Burnout sind:
- Ständige Müdigkeit trotz Schlaf
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Verspannungen im Nacken und Schulterbereich
- Schlafstörungen (todmüde, aber kann nicht einschlafen)
- Häufige Infekte durch geschwächtes Immunsystem
- Verdauungsprobleme und Appetitveränderungen
Emotionale Symptome
Die emotionalen Symptome sind oft die schmerzhaftesten, weil sie direkt an deinem Selbstbild als Mutter kratzen:
- Innere Leere oder Taubheit - du funktionierst, aber du fühlst nichts mehr
- Gereiztheit und Überreaktionen bei Kleinigkeiten
- Ständige Schuldgefühle: Ich bin keine gute Mutter
- Traurigkeit ohne konkreten Anlass
- Das Gefühl von Hilflosigkeit und Überforderung
- Verlust von Freude - auch an Dingen, die früher Spaß gemacht haben
Verhaltens-Symptome
- Rückzug von Freundinnen und sozialen Kontakten
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse – kein Sport, keine Hobbys
- Zunehmende Ungeduld oder Aggressivität gegenüber den Kindern
- Kompensationsstrategien: Süßigkeiten, Alkohol, exzessiver Handykonsum
- Das Gefühl, auf Autopilot zu funktionieren – wie eine Maschine
Ursachen: Warum Mütter besonders betroffen sind
Mama Burnout entsteht nicht, weil du etwas falsch machst. Es entsteht, weil die Bedingungen, unter denen Mütter heute leben, oft unmöglich sind.
Mental Load – die unsichtbare Last
Mental Load ist die kognitive Arbeit des Planens, Koordinierens, Erinnerns und Vorausdenkens, die in den meisten Familien überwiegend bei der Mutter liegt. Wer kauft das Geburtstagsgeschenk für den Kindergartenfreund? Wer erinnert an den Impftermin? Wer weiß, welche Hose dem Kind zu klein geworden ist?
Diese unsichtbare Arbeit wird selten anerkannt und noch seltener geteilt. Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, habe ich einen eigenen Artikel über Mental Load bei Müttern geschrieben – inklusive einer praktischen Methode, um dich zu entlasten.
Die Perfektionismus-Falle
Wir leben in einer Zeit, in der Mütter gleichzeitig die perfekte Erziehung bieten, beruflich erfolgreich sein, körperlich fit bleiben, eine gute Partnerin sein und dabei auch noch entspannt aussehen sollen. Social Media verstärkt dieses Bild jeden Tag.
In meiner Arbeit als Kindergartenleitung habe ich über 35 Jahre lang beobachtet: Die Kinder, die am sichersten gebunden waren, hatten keine perfekten Mütter. Sie hatten echte Mütter – die Fehler gemacht haben, die auch mal laut geworden sind, aber die danach zurückgekommen sind und gesagt haben: Das tut mir leid."
Fehlende Unterstützungssysteme
Früher haben Großfamilien, Nachbarschaften und Dorfgemeinschaften die Last der Kindererziehung auf viele Schultern verteilt. Heute stehen viele Mütter allein da. Dazu kommt: Hilfe anzunehmen fällt vielen Müttern schwer. Das muss ich schon allein schaffen" ist ein Glaubenssatz, der nicht stimmt. Kinder zu erziehen war nie als Ein-Personen-Job gedacht.
Mama Burnout: Was tun? 7 konkrete Wege aus der Erschöpfung
Wenn du bis hierhin gelesen hast und dich wiedererkennst, dann möchte ich dir eines sagen: Es gibt einen Weg raus. Nicht von heute auf morgen. Aber Schritt für Schritt – durch kleine, bewusste Veränderungen, die sich summieren.
Mach den Mental Load sichtbar
Der erste Schritt ist immer Bewusstheit. Setz dich hin und schreibe ALLES auf, was in deinem Kopf kreist. Dann sortiere es in drei Körbe: Was muss wirklich ich tun? Was kann ich abgeben? Was darf ganz wegfallen? Dieses Drei-Körbe-System allein kann schon eine enorme Entlastung bringen.
Schenke dir 5 Minuten Selbstfürsorge – jeden Tag
Im Flugzeug sagen sie: Setzen Sie zuerst sich die Sauerstoffmaske auf. Selbstfürsorge ist kein Egoismus. Selbstfürsorge ist Bindungspflege. Fang klein an: 5 Minuten am Tag. Setz dich hin, schließe die Augen, und stelle dir drei Fragen: Was brauche ICH gerade? Wofür bin ich heute dankbar? Was darf ich loslassen?
Lerne Nein zu sagen – ohne Schuldgefühle
Grenzen sind keine Mauern. Grenzen sind Türen. Ein Satz, der dir helfen kann: Ich liebe dich - auch wenn ich gerade Nein sage. Dein Nein ist kein Liebesentzug. Dein Nein schützt deine Energie.
Hole dir Hilfe – und erlaube dir, sie anzunehmen
Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Zeichen von Intelligenz. Binde den Partner bewusst in konkrete Aufgaben ein, plane die Großeltern für einen festen Nachmittag ein, oder ruf eine Freundin an und sag: Mir geht es gerade nicht gut.
Verbinde Körper und Seele
Bei Mama Burnout verlieren viele Mütter den Kontakt zu ihrem eigenen Körper. Eine einfache Atemübung reicht für den Anfang: Atme 4 Sekunden ein, halte 4 Sekunden an, atme 6 Sekunden aus. Wiederhole das dreimal. Dein Nervensystem beginnt sofort zu regulieren.
Entlarve die Schuldgefühle
Würdest du so mit deiner besten Freundin reden? Wenn sie dir erzählen würde, dass sie erschöpft ist - würdest du sagen: Stell dich nicht so an? Nein. Du würdest sie in den Arm nehmen. Genau das verdienst auch du. Von dir selbst.
Suche dir professionelle Unterstützung
Wenn die Erschöpfung nicht nachlässt – auch nicht nach Urlaub – ist es Zeit für professionelle Begleitung. Das ist kein Eingeständnis des Scheiterns. Das ist der mutigste Schritt, den du tun kannst. Eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, Familiencoaching oder eine Mutter-Kind-Kur (von Krankenkassen bezahlt!) können dir helfen.
Wann ist es mehr als Burnout? Die Abgrenzung zur Depression
Mama Burnout
Bezieht sich spezifisch auf die Elternrolle. Erschöpfung, emotionale Distanz und Kontrollverlust sind direkt mit dem Familienleben verbunden. In anderen Lebensbereichen kann es sein, dass du dich noch relativ normal fühlst.
Depression
Betrifft ALLE Lebensbereiche. Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit durchziehen alles. Morgens aufzustehen fühlt sich unmöglich an – nicht nur wegen der Kinder, sondern grundsätzlich.
Warnzeichen – bitte ärztliche Hilfe suchen:
- Erschöpfung seit Monaten, die sich trotz Entlastung nicht bessert
- Anhaltende Hoffnungslosigkeit – das Gefühl, dass sich nichts mehr ändern wird
- Körperliche Symptome ohne erklärbare Ursache
- Gedanken, sich selbst etwas anzutun
Was ich dir aus 40 Jahren Erfahrung mitgeben möchte
Als ich zwei Jahre alt war, erkrankte ich an Kinderlähmung. Die Ärzte sagten meiner Mutter, ich würde nie wieder richtig laufen können. Aber meine Mutter hat nicht aufgegeben. Sie hat mich getragen, gepflegt, gestärkt – Tag für Tag, Monat für Monat. Nicht mit Perfektion. Mit Liebe. Mit der stillen Botschaft: Ich bin hier. Du schaffst das."
Diese Erfahrung hat mein ganzes Leben geprägt. Sie ist der Grund, warum ich heute als Therapeutin und Familienbegleiterin arbeite. Und sie ist der Grund, warum ich dir sage:
Selbstvertrauen verändert Generationen.
Wenn du lernst, gut für dich zu sorgen, lernt dein Kind, dass Selbstfürsorge kein Egoismus ist. Wenn du dir erlaubst, Hilfe anzunehmen, lernt dein Kind, dass Stärke und Verletzlichkeit zusammengehören.
Du musst keine perfekte Mutter sein. Du musst eine echte Mutter sein.
Dein nächster Schritt
Sofort-Hilfe
Starte jetzt mit der FamilyCalm App – mit der 5-Minuten-Oase, Fantasiereisen für deine Kinder und dem SOS-Button für akute Überforderungsmomente.
App starten21 Tage Begleitung
Starte den 21-Tage-Kurs Dein Familien-Neustart - jeden Tag ein Impuls von mir, direkt in dein Postfach.
Kurs ansehenTiefe Veränderung
Bereit für den nächsten Schritt? Der 6-Wochen-Kurs Starke Kinder, starke Eltern mit Videomodulen, Live-Sessions und persönlicher Begleitung.
Mehr erfahrenDu verdienst es, dich wieder lebendig zu fühlen. Nicht irgendwann. Jetzt.
Von Herzen, Monika

Monika Wörle
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Bindungsberaterin (Prof. Dr. Karl Heinz Brisch) und 35 Jahre Kindergartenleitung. Sie lebt und arbeitet im Allgäu (Bayern) und begleitet Familien online und persönlich im Raum Ostallgäu.
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